Wer als Ärztin, Arzt oder Therapeut in der Schweiz eine Praxiswebsite betreibt, bearbeitet Personendaten – schon mit dem ersten Klick. Eine IP-Adresse, ein Kontaktformular, ein Buchungssystem über OneDoc, ein eingebettetes Google-Bewertungs-Widget: All das fällt unter das revidierte Datenschutzgesetz (revDSG), das seit dem 1. September 2023 in Kraft ist. Und der Schutz ist im medizinischen Bereich besonders streng, weil Gesundheitsdaten zu den besonders schützenswerten Personendaten nach Art. 5 lit. c revDSG zählen.
Das Problem: Viele Praxen haben eine Datenschutzerklärung, die noch aus der Zeit vor dem revDSG stammt – oder die nur eine schweizerische Adaption einer DSGVO-Vorlage ist. Das ist nicht nur juristisch riskant, sondern auch ein Vertrauensproblem. Patientinnen und Patienten erkennen sehr genau, ob eine Praxis sorgfältig mit ihren Daten umgeht oder nicht.
Dieser Artikel zeigt Ihnen konkret, was Sie als Ärztin, Arzt oder Therapeut in der Schweiz beim Datenschutz auf Ihrer Praxiswebsite beachten müssen – und wo die typischen Stolperfallen lauern. Er ist Teil meiner ausführlichen Übersicht zum Thema Online-Vertrauen für Schweizer Arztpraxen.
Warum Datenschutz auf der Praxiswebsite ein doppelter Hebel ist
Datenschutz wird oft als reines Pflichtthema wahrgenommen – ein juristisches Übel, das man hinter sich bringen muss. In Wahrheit ist saubere Datenschutz-Praxis aber eines der stärksten Vertrauenssignale, die Sie online setzen können.
Patientinnen und Patienten, die das Gefühl haben, ihre Daten seien bei einer Praxis sicher aufgehoben, nutzen eher die Online-Terminbuchung, füllen eher ein Kontaktformular aus oder abonnieren einen Newsletter. Wer Datenschutz transparent kommuniziert, baut Vertrauen auf, das weit über die juristische Pflicht hinausgeht.
Gleichzeitig sind Datenschutz-Verstösse seit dem revDSG ein erhebliches Risiko. Bussen gegen verantwortliche Privatpersonen kannte schon das alte DSG – das revDSG hat den Rahmen aber deutlich erhöht: bis zu CHF 250'000 für vorsätzliche Verletzungen bestimmter Pflichten (Art. 60 ff. revDSG). Die Bussen treffen die verantwortlichen natürlichen Personen, werden auf Antrag von den kantonalen Strafbehörden verfolgt und nicht vom EDÖB verhängt. Der EDÖB kann seit dem revDSG aber verbindliche Verfügungen erlassen und hat damit deutlich mehr Aufsichtsmöglichkeiten.
Datenschutz ist also kein Nebenthema. Er ist Teil Ihrer Marketingstrategie für die Arztpraxis – und ein direkter Vertrauenshebel.
Die rechtlichen Grundlagen im Überblick
Bevor wir konkret werden, kurz die wichtigsten Rechtsgrundlagen, die für Ihre Praxiswebsite gelten:
revDSG (revidiertes Datenschutzgesetz): Seit 1. September 2023 in Kraft. Hat das alte DSG abgelöst und sich stark an die DSGVO angenähert – mit einigen Schweizer Eigenheiten. Besonders relevant: Art. 5 (Definitionen, inkl. Gesundheitsdaten), Art. 6 (Grundsätze, inkl. ausdrückliche Einwilligung bei besonders schützenswerten Personendaten), Art. 19–20 (Informationspflichten), Art. 30–31 (Persönlichkeitsverletzung und Rechtfertigungsgründe, etwa bei der Bekanntgabe besonders schützenswerter Personendaten an Dritte), Art. 60 ff. (Strafbestimmungen).
DSV (Datenschutzverordnung): Ergänzt das revDSG mit konkreten Vorgaben, etwa zur Datensicherheit.
Art. 321 StGB (Berufsgeheimnis): Strafrechtlich verankert. Wer ein Berufsgeheimnis offenbart, riskiert Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. Es ist ein Antragsdelikt. Erfasst sind neben Ärztinnen, Ärzten und Zahnärzten auch Hilfspersonen sowie viele Therapieberufe, etwa Physiotherapie, Ergotherapie und Psychologie.
FMH-Standesordnung: Konkretisiert für FMH-Mitglieder die ärztlichen Verpflichtungen zum Patientendatenschutz auf standesrechtlicher Ebene.
Kantonale Gesundheitsgesetze: Enthalten teils zusätzliche Vorgaben zur Patientendokumentation und -aufbewahrung.
DSGVO (EU): Wenn Sie Patientinnen und Patienten in der EU gezielt Leistungen anbieten oder deren Verhalten auf Ihrer Website auswerten, kann zusätzlich die DSGVO greifen. Für die meisten Schweizer Praxen ist das aber zweitrangig, weil sie primär lokal arbeiten.
Diese Regelwerke greifen ineinander. Ein Verstoss auf einer Ebene kann gleichzeitig Bussen, Aufsichtsverfahren, berufsrechtliche Konsequenzen und strafrechtliche Folgen nach sich ziehen.
Die Datenschutzerklärung als Herzstück
Jede Praxiswebsite braucht eine Datenschutzerklärung – die Informationspflicht ergibt sich aus Art. 19 revDSG. Aber: Eine Standardvorlage aus dem Internet reicht nicht. Sie muss auf Ihre konkrete Praxis und auf die tatsächlich eingesetzten Tools zugeschnitten sein.
Was Ihre Datenschutzerklärung enthalten muss
Zwingend verlangt Art. 19 revDSG mindestens die Identität und Kontaktdaten des Verantwortlichen, den Bearbeitungszweck, allfällige Empfänger und bei Bekanntgaben ins Ausland die betreffenden Staaten samt Garantien. Die weiteren Punkte sind üblich und empfehlenswert:
Verantwortliche Person: Wer ist für die Datenbearbeitung verantwortlich? Mit Adresse und Kontaktmöglichkeit. Im Schweizer Kontext kommt das Konzept des Datenschutzberaters (statt Datenschutzbeauftragten) hinzu – freiwillig, aber empfehlenswert.
Zwecke der Datenbearbeitung: Wofür werden welche Daten bearbeitet? Konkret: Kontaktformular, OneDoc-Terminbuchung, Newsletter, Analytics, Maps, Schriften und alle weiteren Tools.
Rechtsgrundlagen: Im Schweizer Recht gibt es das Konzept der «Rechtsgrundlage» anders als in der DSGVO. Gemäss revDSG ist die Bearbeitung grundsätzlich erlaubt – aber sie muss verhältnismässig, zweckgebunden und transparent sein. Ist eine Einwilligung nötig – etwa weil Gesundheitsdaten an Dritte weitergegeben werden –, muss sie bei besonders schützenswerten Personendaten ausdrücklich erfolgen (Art. 6 Abs. 7 revDSG).
Speicherdauer: Wie lange werden die Daten aufbewahrt? Nach welchen Kriterien? Bei Patientendaten greifen zusätzlich die kantonalen Aufbewahrungspflichten; für FMH-Mitglieder verlangt die Standesordnung in Anlehnung an die seit 2020 geltende Verjährungsfrist, die Krankengeschichte 20 Jahre aufzubewahren.
Empfänger der Daten: Wer bekommt die Daten? Hosting-Anbieter, Buchungssystem, Newsletter-Tool, Analytics-Anbieter? Auch Bekanntgaben ins Ausland (insbesondere in die USA) müssen transparent gemacht werden – das revDSG hat hier strikte Vorgaben in Art. 16 ff.
Betroffenenrechte: Auskunft, Berichtigung, Löschung, Datenherausgabe, Anzeige beim EDÖB.
Cookie- und Tracking-Hinweise: Welche Cookies werden gesetzt? Welche sind technisch notwendig, welche optional?
Die häufigsten Fehler
Aus der Praxisarbeit sehe ich immer wieder dieselben Schwachstellen:
Veraltete Datenschutzerklärung. Viele Schweizer Praxen haben noch Erklärungen aus der DSG-Zeit (vor September 2023). Die Anforderungen haben sich aber verschärft – etwa bei der Informationspflicht und bei Datenbekanntgaben ins Ausland.
DSGVO-Vorlage ohne Schweizer Anpassung. Eine schlechte Lösung ist, einfach eine DSGVO-Erklärung zu kopieren. Das revDSG hat zwar viele Parallelen, aber auch wichtige Unterschiede. Eine reine DSGVO-Erklärung ist auf einer Schweizer Website weder ausreichend noch professionell.
Tools ohne Erwähnung. Google Maps, Google Fonts, YouTube-Videos, ein Newsletter-Tool, OneDoc, ein Buchungssystem – diese Tools werden oft eingebunden, ohne dass die Datenschutzerklärung sie nennt. Das ist eine der häufigsten Lücken.
Keine Differenzierung nach Datenkategorien. Patientendaten sind besonders schützenswerte Personendaten nach Art. 5 lit. c revDSG und brauchen eine eigene Einordnung – wo eine Einwilligung nötig ist, muss sie ausdrücklich sein.
Fehlerhafte Auslandsbekanntgaben. Wer Google Analytics oder ähnliche US-Tools nutzt, muss die Datenübermittlung in die USA korrekt abbilden. Die USA gelten nach revDSG nicht automatisch als Land mit angemessenem Datenschutzniveau – seit dem 15. September 2024 gilt das Swiss-U.S. Data Privacy Framework aber für zertifizierte US-Unternehmen als angemessen, was die Übermittlung an diese Unternehmen erleichtert.
Konkreter Tipp: Lassen Sie Ihre Datenschutzerklärung mindestens einmal jährlich aktualisieren – idealerweise von einer Anwältin oder einem Anwalt für IT-Recht oder einem Datenschutzberater mit Schweiz-Expertise. Wie diese Pflichtelemente in eine professionelle Praxiswebsite integriert werden, ist auch Teil der zwölf Elemente einer guten Praxiswebsite.
Cookie-Banner: Was wirklich erlaubt ist
Das Cookie-Banner ist auch in der Schweiz ein Thema – allerdings mit einigen Unterschieden zur EU. In der EU verlangt die ePrivacy-Richtlinie (in Deutschland umgesetzt im TDDDG) für nicht notwendige Cookies grundsätzlich eine vorgängige Einwilligung. In der Schweiz genügt nach Art. 45c des Fernmeldegesetzes (FMG) grundsätzlich, dass Nutzerinnen und Nutzer über Cookies und ihren Zweck informiert werden und die Bearbeitung ablehnen können. Eine ausdrückliche Einwilligung verlangt der EDÖB nur, wenn die Bearbeitung unerwartet ist, ein hohes Risiko birgt oder besonders schützenswerte Personendaten betrifft. Trotzdem sollten Sie sich am europäischen Standard orientieren, weil:
- Viele Schweizer Praxen auch Patientinnen und Patienten aus der EU haben (Grenzregionen, Touristen)
- Das revDSG generelle Transparenz-Pflichten vorgibt
- Patienten den europäischen Standard kennen und erwarten
Die echte Wahl als Standard
Jedes Cookie-Banner sollte eine echte Wahl ermöglichen:
- Annehmen und Ablehnen sollten gleichwertig prominent sein
- Kein «Nudging» durch Farbgebung oder Grösse
- Keine voreingestellten Häkchen für optionale Cookies
- Zustimmung muss aktiv erfolgen
- Widerruf der Einwilligung muss genauso einfach sein wie die Erteilung
Welche Cookies brauchen eine Einwilligung?
| Cookie-Typ | Einwilligung empfohlen? |
|---|---|
| Technisch notwendige Cookies (Session, Login) | Nein |
| Cookies für Sicherheit und Lastverteilung | Nein |
| Analytics-Cookies (Google Analytics, Matomo) | Ja |
| Marketing-Cookies (Facebook Pixel, Google Ads) | Ja |
| YouTube-Embeds, Google Maps mit Tracking | Ja |
| Schriften-Einbindung (Google Fonts) | Ja, wenn von extern geladen |
Die Faustregel: Sobald ein Cookie für Statistik, Marketing oder Tracking gesetzt wird, sollten Sie die Einwilligung einholen – rechtlich zwingend ist in der Schweiz mindestens die Information mit Ablehnungsmöglichkeit. Technisch notwendige Cookies sind ohne Einwilligung erlaubt.
Empfohlene Cookie-Tools für Praxiswebsites
Für die meisten Praxen reicht eine schlanke, datenschutzfreundliche Lösung. Bewährt haben sich:
- Borlabs Cookie (für WordPress)
- Cookiebot (plattformübergreifend)
- Usercentrics (Enterprise-Lösung)
- Native Squarespace-Lösung (eingebautes Cookie-Banner für Squarespace-Sites)
Bei Squarespace-Sites reicht die hauseigene Cookie-Lösung meist aus – sofern Sie sie korrekt konfigurieren und keine zusätzlichen Tracking-Tools einbauen.
Kontaktformulare und Patientendaten
Kontaktformulare sind ein Dauerklassiker im Praxismarketing – und gleichzeitig ein Datenschutz-Brennpunkt. Patientinnen und Patienten schicken oft Gesundheitsinformationen über Formulare, ohne sich der Konsequenzen bewusst zu sein.
Wie Sie Kontaktformulare richtig aufsetzen
Minimales Datenfeld-Prinzip. Fragen Sie nur nach den Daten, die Sie wirklich brauchen. Name, Telefon oder E-Mail, kurze Nachricht – mehr ist meist nicht nötig.
Klarer Hinweis zu Gesundheitsdaten. Direkt am Formular sollte stehen:
«Bitte senden Sie keine sensiblen Gesundheitsdaten über dieses Formular. Für vertrauliche Anliegen rufen Sie uns bitte an: [Telefonnummer].»
Dieser Hinweis schützt sowohl Ihre Patientinnen und Patienten als auch Sie.
Einwilligungs-Checkbox. Vor dem Absenden empfiehlt sich eine aktive Zustimmung, dass die Daten bearbeitet werden dürfen – gerade weil über Formulare oft Gesundheitsdaten eingehen. Ein Beispieltext:
«Ich willige ein, dass meine Angaben zur Beantwortung meiner Anfrage gespeichert und bearbeitet werden. Hinweis zum Datenschutz: [Link zur Datenschutzerklärung].»
Diese Checkbox darf nicht vorausgewählt sein.
Verschlüsselte Übertragung. Die Website muss SSL-verschlüsselt sein (HTTPS).
Sichere Speicherung. Eingehende Anfragen müssen sicher gespeichert oder unmittelbar gelöscht werden.
Was Sie bei Gesundheitsdaten beachten müssen
Wenn eine Patientin oder ein Patient trotz Hinweis sensible Daten schickt, bearbeiten Sie besonders schützenswerte Personendaten nach Art. 5 lit. c revDSG. Dann gilt:
- Die Daten dürfen nur für den Zweck der Anfragebeantwortung genutzt werden
- Speicherung nur so lange wie nötig
- Keine Weitergabe an Dritte ohne ausdrückliche Einwilligung
- Bei Übernahme in eine Patientenakte greift zusätzlich das Berufsgeheimnis
Online-Terminbuchung: OneDoc, Doctena und Co.
Online-Terminbuchung ist eines der beliebtesten Tools auf Praxiswebsites in der Schweiz – und einer der häufigsten Datenschutz-Stolpersteine.
Was rechtlich zu beachten ist
Auftragsbearbeitungsvertrag (ABV). Sie brauchen mit jedem Anbieter einen Vertrag zur Auftragsbearbeitung gemäss Art. 9 revDSG. Die grossen Anbieter stellen diese Verträge bereit – Sie müssen sie aber aktiv abschliessen.
Datenschutzerklärung anpassen. In Ihrer Datenschutzerklärung muss der Buchungsanbieter explizit genannt sein, mit Beschreibung der Datenbearbeitung.
Einbindung auf der Website. Vermeiden Sie iframe-Einbindungen, die schon vor der Cookie-Einwilligung Daten an den Anbieter senden. Eine bessere Lösung ist die Verlinkung mit Hinweis: «Sie werden zu unserem Buchungspartner weitergeleitet, der eigene Datenschutzbestimmungen anwendet.»
Server-Standort prüfen. OneDoc speichert medizinische Daten nach eigenen Angaben ausschliesslich in der Schweiz – das ist ein grosser Vorteil. Doctena bearbeitet die Daten gemäss Auftragsbearbeitungsvertrag innerhalb der EU bzw. des EWR. Andere Anbieter speichern teilweise in den USA, was zusätzliche Anforderungen mit sich bringt.
Empfehlung für die Schweizer Praxis
Für die meisten Schweizer Praxen ist OneDoc eine naheliegende Wahl, weil der Anbieter:
- ein Schweizer Unternehmen ist
- Daten auf Schweizer Servern speichert
- eine eigene Datenschutzerklärung mitbringt
- mit dem Schweizer Gesundheitswesen vertraut ist
Den Auftragsbearbeitungsvertrag sollten Sie auch hier aktiv anfordern und abschliessen. Wenn Sie sich für ein anderes System entscheiden, prüfen Sie diese Punkte vor der Einrichtung – nicht erst, wenn der EDÖB anfragt.
Newsletter und Patientenmarketing
Newsletter sind ein wertvolles Werkzeug für die Patientenbindung – aber datenschutzrechtlich heikel. Die wichtigsten Punkte:
Double-Opt-In ist Standard. Nach der Anmeldung sollte die Person eine Bestätigungs-E-Mail erhalten und den enthaltenen Link aktivieren. Das ist nach revDSG zwar nicht zwingend, aber Best Practice.
Werbe-E-Mails brauchen eine Einwilligung. Art. 3 Abs. 1 lit. o UWG schreibt das für Massenwerbung vor. Sie dürfen Patientinnen und Patienten nicht einfach zu Ihrem Newsletter anmelden, weil sie schon einmal in Ihrer Praxis waren: Die Ausnahme für bestehende Kundenbeziehungen setzt voraus, dass schon bei der Erhebung der Adresse auf die Ablehnungsmöglichkeit hingewiesen wurde – und das Berufsgeheimnis setzt zusätzliche Grenzen. Für FMH-Mitglieder kommt Anhang 2 der Standesordnung hinzu: Newsletter an eigene Patientinnen und Patienten nur mit deren Zustimmung, Massensendungen per E-Mail sind nicht gestattet (Ziff. 3.4).
Abmeldung muss einfach sein. Jede Newsletter-Mail muss eine problemlose und kostenlose Abmeldemöglichkeit enthalten.
Datenschutzfreundliche Tools. CleverReach, Brevo (früher Sendinblue) und Rapidmail haben Server in der EU. Mailchimp speichert in den USA und bringt zusätzliche Datenschutzfragen mit sich. Schweizer Anbieter wie mailXpert mit Hosting in der Schweiz sind die naheliegendste Wahl.
Analytics und Tracking auf der Praxiswebsite
Das Tracking-Thema wird oft unterschätzt – und ist gleichzeitig eines der häufigsten Datenschutz-Themen auf Praxiswebsites. Drei Szenarien:
Szenario 1: Sie nutzen Google Analytics
Google Analytics ist nach revDSG grundsätzlich erlaubt – sinnvollerweise nur mit aktiver Einwilligung (Cookie-Banner mit echter Wahl) und korrekter Konfiguration:
- Datenfreigabe mit anderen Google-Diensten und Google-Signale deaktiviert (IP-Adressen speichert Google Analytics 4 für Nutzer in der Schweiz nach eigenen Angaben nicht; die frühere IP-Anonymisierung entfällt)
- Auftragsverarbeitungsbedingungen von Google akzeptiert
- Datenschutzerklärung enthält Google Analytics ausdrücklich
- Hinweis auf US-Datenübermittlung
Szenario 2: Sie nutzen eine datenschutzfreundlichere Alternative
Matomo (selbst gehostet, idealerweise auf einem Schweizer Server) ist die revDSG-freundlichste Lösung. Auch Plausible und Fathom Analytics sind datenschutzfreundliche Alternativen.
Szenario 3: Sie nutzen gar kein Tracking
Auch das ist eine valide Option – besonders für kleine Praxen mit überschaubarem Online-Marketing. Ohne Tracking fallen keine Nutzungsdaten an, die geschützt werden müssten.
Embeds: Google Maps, YouTube, Schriften
Eingebettete Inhalte sind die unsichtbarsten Datenschutz-Risiken auf Praxiswebsites. Sobald die Seite lädt, werden Daten an externe Server geschickt – oft ohne dass die Nutzerin oder der Nutzer es merkt.
Google Maps. Die Standard-Einbindung übermittelt Daten an Google in den USA. Lösung: 2-Klick-Lösung (Karte erscheint erst nach Bestätigung) oder Schweizer Alternativen wie die Karten von swisstopo.
YouTube-Videos. Die normale Einbindung lädt sofort Daten an YouTube. Lösung: «Erweiterter Datenschutzmodus» (youtube-nocookie.com) und 2-Klick-Lösung. Oder Videos über einen Anbieter mit Schweizer Hosting einbinden.
Google Fonts. Viele Schriften werden standardmässig von Google-Servern geladen. Lösung: Schriften lokal hosten – das ist auch schneller.
Social-Media-Buttons. Echte Social-Plugins von Facebook, X (ehemals Twitter) etc. übermitteln sofort Daten in die USA. Lösung: Statische Icons mit Link statt aktiver Plugins.
Was Sie heute konkret tun sollten
Wenn Sie aus diesem Artikel nur drei Dinge mitnehmen wollen, dann diese:
Erstens: Lassen Sie Ihre Datenschutzerklärung von einem Profi prüfen – speziell mit Blick auf das revDSG. Eine veraltete oder reine DSGVO-Erklärung ist ein typisches Risiko.
Zweitens: Optimieren Sie Ihr Cookie-Banner. «Akzeptieren» und «Ablehnen» sollten gleichwertig sein – das ist auch in der Schweiz Best Practice.
Drittens: Prüfen Sie alle externen Einbindungen. Google Maps, YouTube, Schriften, Buchungssysteme, Analytics – jedes externe Tool ist ein potenzielles Datenschutz-Thema, besonders wenn die Server ausserhalb der Schweiz stehen.
Weiterlesen: Wie sich Datenschutz, Praxiswebsite, Google-Profil und Bewertungen zu einem konsistenten Vertrauensbild verbinden, zeigt der ausführliche Übersichtsartikel Online Vertrauen als Arzt oder Therapeut in der Schweiz aufbauen.
Datenschutz ist nicht das Lieblingsthema vieler Praxen. Aber er ist eines der wenigen Themen, bei denen sich gute Arbeit doppelt auszahlt: rechtlich abgesichert und gleichzeitig vertrauensbildend. Eine aktuelle, anwaltlich geprüfte Datenschutzerklärung erstellen und pflegen wir mit «ort datenschutz»: CHF 200 einmalig, zuzüglich CHF 89 pro Jahr für die laufende Nutzung. Wenn Sie wissen wollen, wo Ihre Praxiswebsite aktuell steht, prüfen wir das im Rahmen eines Praxiswebsite-Checks konkret durch. Oder vereinbaren Sie gern ein kostenloses Erstgespräch mit Holger Ort.
Quellen
- Bundesgesetz über den Datenschutz (DSG), SR 235.1 – Fedlex
- Schweizerisches Strafgesetzbuch, Art. 321 (Berufsgeheimnis) – Fedlex
- Fernmeldegesetz (FMG), Art. 45c – Fedlex
- Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG), Art. 3 Abs. 1 lit. o – Fedlex
- EDÖB: Merkblatt Cookies und ähnliche Technologien (Stand März 2026)
- Bundesrat: Swiss-U.S. Data Privacy Framework – zertifizierte US-Unternehmen bieten angemessenen Schutz (14.08.2024)
- FMH: Standesordnung (Fassung Juni 2026)
- FMH: Anhang 2 zur Standesordnung, Richtlinien «Information und Werbung» (Revision 2023), Ziff. 3.4
- SAMW/FMH: Rechtlicher Leitfaden, Kapitel 3.5 Krankengeschichte
- Google: Daten und Datenschutz in der EU (Google Analytics)
- OneDoc: Sicherheit medizinischer Daten
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